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Stefan Kebekus
2025-12-17 13:06:35 +01:00
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@@ -100,3 +100,8 @@ Mangoldt-Funktion
Mangoldt
Danzig-Langfuhr
pf
Taubersatz
Newman
Konvergenzverhalten
Summierbarkeitsmethode
Taubersatzes

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@@ -27,7 +27,7 @@ unendlich viele Primzahlen. Eine sinnvollere Frage ist vielleicht die folgende.
genau?
\end{rem}
\begin{satz}[Primzahlsatz]
\begin{satz}[Primzahlsatz]\label{satz:16-1-3}%
Es ist $\lim_{x → ∞} \frac{π(x) · \log(x)}{x} = 1$.
\end{satz}
@@ -265,15 +265,18 @@ Beobachtungen.
\begin{satz}[Fortsetzbarkeit von $ζ$]\label{satz:16-2-1}%
Die Funktion $ζ(s) - \frac{s}{s-1}$ besitzt eine holomorphe Fortsetzung auf
$\{ s \mid \mathfrak{Re}(s) > 0 \}$. Insbesondere besitzt $ζ(s)$ eine
holomorphe Fortsetzung auf $\{ s \mid \mathfrak{Re}(s) > 0, s \ne 1 \}$ und
hat in $1$ einen Pol erster Ordnung mit $\Res_1(ζ) = 1$.
$\{ s \::\: \mathfrak{Re}(s) > 0 \}$. Insbesondere besitzt $ζ(s)$ eine
holomorphe Fortsetzung auf
\[
\{ s \::\: \mathfrak{Re}(s) > 0, s \ne 1 \}
\]
und hat in $1$ einen Pol erster Ordnung mit $\Res_1(ζ) = 1$.
\end{satz}
\begin{rem}[Notation][Abrunden]
Für $x ∈ $ schreiben wir
\[
⌊ x ⌋ := \max\{ k ∈ \mid k \le x \}.
⌊ x ⌋ := \max\{ k ∈ \::\: k \le x \}.
\]
Die Funktion $x ↦ ⌊x⌋$ heißt
\emph{Abrundungsfunktion}\index{Abrundungsfunktion} oder
@@ -294,7 +297,7 @@ Beobachtungen.
&= \sum_{n=1}^∞ n·\int_n^{n+1} \frac{s}{x^{s+1}} \, dx \\
&= s · \sum_{n=1}^\int_n^{n+1} \frac{⌊x⌋}{x^{s+1}} \, dx && \text{für $x ∈ [n, n+1)$ ist $⌊x⌋ = n$} \\
&= s · \int_1^\frac{⌊x⌋}{x^{s+1}} \, dx.
\intertext{Nun gilt: $s · \int_1^\frac{x}{x^{s+1}} \, dx = \frac{s}{s-1}$, also}
\intertext{Nun gilt: $s · \int_1^\frac{x}{x^{s+1}} \, dx = \frac{s}{s-1}$, also}
ζ(s) - \frac{s}{s-1} & = s · \int_1^\frac{⌊ x ⌋ - x}{x^{s+1}} \, dx.
\end{align*}
Es genügt also zu zeigen, dass die Funktion
@@ -318,8 +321,7 @@ Beobachtungen.
Mit mehr Arbeit lässt sich $ζ(s)$ sogar holomorph auf $ \{1\}$ fortsetzen.
Bezeichnet $Γ$ die Gamma-Funktion, so gilt
\[
ζ(s) = 2^s π^{s-1} · \sin\left(\frac{π s}{2}\right) ·
Γ(1-s) · ζ(1-s).
ζ(s) = 2^s π^{s-1} · \sin\left(\frac{π s}{2}\right) · Γ(1-s) · ζ(1-s).
\]
Insbesondere gilt $ζ(-2k) = 0$ für $k ∈ _{>0}$, denn es ist $Γ(k) = (k-1)!$
wenn $k ∈ _{>0}$. Diese Nullstellen heißen die \emph{trivialen Nullstellen}
@@ -327,7 +329,7 @@ Beobachtungen.
\end{bemerkung}
\begin{bemerkung}
Die holomorphe Fortsetzung von $ζ$ auf $\{s \mid \mathfrak{Re}(s) > 0, s \ne
Die holomorphe Fortsetzung von $ζ$ auf $\{s \::\: \mathfrak{Re}(s) > 0, s \ne
1\}$ und $ \{1\}$ ist mysteriös! Es ist sehr wenig über diese Funktion
bekannt. Das wenige was bekannt ist, ist recht schwer zu beweisen.
\end{bemerkung}
@@ -350,7 +352,7 @@ Faltungen sind ein wichtiges Werkzeug beim Umgang mit Dirichlet-Reihen.
\]
Gegeben $f, g ∈ \mathcal{A}$ definiere $(f \ast g)\mathcal{A}$ durch
\[
(f \ast g)(n) := \sum_{d \mid n} f(d) · g\left(\frac{n}{d}\right).
(f \ast g)(n) := \sum_{d \::\: n} f(d) · g\left(\frac{n}{d}\right).
\]
Dabei läuft die Summe läuft Teiler $d$ von $n$ mit $d \ge 1$. Man nennt $f
\ast g$ die \emph{Faltung von $f$ und $g$}\index{Faltung}.
@@ -392,7 +394,7 @@ Faltungen sind ein wichtiges Werkzeug beim Umgang mit Dirichlet-Reihen.
\ast μ = 1$, heißt die \emph{Möbius-Funktion}\footnote{August Ferdinand Möbius
(* 17.~November 1790 in Pforta; † 26.~September 1868 in Leipzig) war ein
deutscher Mathematiker und Astronom an der Universität Leipzig.}. Diese
beschreibt die Dirichlet-Reihe von $\frac{1}{ζ(s)}$. Die Möbius-Funktion kann
beschreibt die Dirichlet-Reihe von $\frac{1}{ζ(s)}$. Die Möbius-Funktion kann
explizit durch folgende Formel beschrieben werden
\[
μ(n) = \begin{cases}
@@ -401,7 +403,7 @@ Faltungen sind ein wichtiges Werkzeug beim Umgang mit Dirichlet-Reihen.
(-1)^r, & \text{wenn $n$ das Produkt von $r$ verschiedenen Primzahlen ist}
\end{cases}
\]
Beispielsweise ist $μ(1) = 1$, $μ(12) = 0$, $μ(6) = 1$, $μ(30) = -1$. Für uns
Beispielsweise ist $μ(1) = 1$, $μ(12) = 0$, $μ(6) = 1$, $μ(30) = -1$. Für uns
ist nur wichtig: Die Möbius-Funktion $μ$ ist betragsmäßig durch 1 beschränkt!
\end{bemerkung}
@@ -454,10 +456,10 @@ etwas arbeiten.
\end{lemma}
\begin{proof}
Es sei $ε ∈ \mathcal{A}$ die konstante Funktion mit Wert $1$. Dann ist $ζ$
durch die zu $ε$ gehörende Dirichlet-Reihe gegeben. Gegeben eine Zahl $n ∈
durch die zu $ε$ gehörende Dirichlet-Reihe gegeben. Gegeben eine Zahl $n ∈
ℕ⁺$, so gilt:
\[
\log n = \sum_{d \mid n} Λ(d) = (ε \ast Λ)(n).
\log n = \sum_{d \::\: n} Λ(d) = (ε \ast Λ)(n).
\]
Das bedeutet:
\[
@@ -527,7 +529,7 @@ Damit können wir den letzten Schritt machen.
\begin{konsequenz}
Für $\mathfrak{Re}(s) > 0$ liegen die Nullstellen von $ζ$ also im Streifen
\[
\{ z \mid 0 < \mathfrak{Re}(z) < 1 \}.
\{ z \::\: 0 < \mathfrak{Re}(z) < 1 \}.
\]
\end{konsequenz}
@@ -538,5 +540,314 @@ Damit können wir den letzten Schritt machen.
Probleme der Mathematik, diese Vermutung zu beweisen oder zu widerlegen.
\end{rem}
\sideremark{Vorlesung}
\section{Der Taubersatz von Newman}
Der Beweis des Primzahlsatzes benötigt noch ein letztes Werkzeug: den
„Taubersatz“ von Newman\footnote{Donald Joseph Newman (* 27.~Juli 1930 in
Brooklyn; † 28.~März 2007 in Philadelphia) war ein US-amerikanischer
Mathematiker.}. Ein Taubersatz\footnote{Alfred Tauber (geboren am 5.~November
1866 in Pressburg, Kaisertum Österreich; gestorben am 26.~Juli 1942 im KZ
Theresienstadt) war ein österreichischer Mathematiker.} ist ein Satz, der es
erlaubt, aus dem Konvergenzverhalten eines Mittelwerts (oder einer
Summierbarkeitsmethode) auf das Konvergenzverhalten der ursprünglichen Folge
oder Reihe zu schließen.
Newman's Beweis des Primzahlsatzes, den wir hier wiedergeben, stammt aus dem
Jahr 1972. Das Manuskript mit dem Titel „\foreignlanguage{english}{Simple
analytic proof of the prime number theorem}“ erschien 1980 im
\foreignlanguage{english}{American Mathematical Monthly} und ist durch seine
besondere Kürze und damit relativ hohe Zugänglichkeit bekannt.
\begin{satz}[Taubersatz von Newman]\label{satz:16-4-1}%
Sei $f: [0, ∞)$ beschränkt und lokal integrierbar. Die
Laplace-Transformierte
\[
F(z) := \int_0^∞ f(t) \, e^{-zt} \, dt, \quad \mathfrak{Re}(z) > 0
\]
sei holomorph auf eine offene Umgebung von $\mathfrak{Re}(z)0$ fortsetzbar.
Dann existiert das Integral
\[
\int_0^∞ f(t) \, dt
\]
und der Wert des Integrals ist gleich $F(0)$.
\end{satz}
\begin{proof}
Für $T > 0$ ist
\[
F_T(z) = \int_0^T f(t) \, e^{-zt} \, dt
\]
eine auf ganz $$ holomorphe Funktion. Wir wollen zeigen, dass die Gleichung
\begin{equation}\label{eq:16-4-0-1}
\lim_{T → ∞} F_T(0) = F(0)
\end{equation}
gilt. Sei $R > 0$ und $δ = δ(R) > 0$ so, dass $F$ auf der offenen Menge
\[
U := \{ z ∈ \::\: |z| \le R \text{ und } \mathfrak{Re}(z)-δ(R) \}
\]
holomorph ist. Es gilt:
\[
∂ U = \underbrace{\{ z ∈ ∂ U \::\: \mathfrak{Re}(z) > 0 \}}_{:= C_+}
\underbrace{\{ z ∈ ∂ U \::\: \mathfrak{Re}(z) < 0 \}}_{:= C_-}
\underbrace{\{ iR, -iR \}}_{\text{Nullmenge}}.
\]
Jetzt kommt der Trick von Newman: Nach der Cauchy-Integralformel gilt:
\begin{equation}\label{eq:16-4-0-2}
F(0) - F_T(0)
= \frac{1}{2πi} \int_C \left( F(z) - F_T(z) \right) · e^{zT} · \left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{dz}{z}.
\end{equation}
Die Funktion $f$ ist per Annahme beschränkt. Mit anderen Worten: es gibt eine
Zahl $B > 0$ sodass für jede Zahl $t ≥ 0$ die Ungleichung $|f(t)| ≤ B$ gilt.
\paragraph*{Beweisschritt: Diskussion von $F-F_T$ auf $C_+$}
Für jedes $z ∈ C_+$ gilt die folgende Abschätzung:
\begin{align}
\label{eq:16-4-1-1} \left| F(z) - F_T(z) \right| & = \left| \int_T^∞ f(t) \, e^{-zt} \, dt \right| \\
\nonumber & ≤ B · \int_T^\left| e^{-zt} \right| \, dt \\
\nonumber & = B · \int_T^∞ e^{-\mathfrak{Re}(z) · t} \, dt \\
\nonumber & = B · e^{-\mathfrak{Re}(z) · T} · \mathfrak{Re}(z)^{-1}.
\end{align}
Zusätzlich gilt die Gleichung
\[
1 + \frac{}{} = 1 + \frac{}{z · \frac{z}{z}}
\]
und deshalb für jedes $z ∈ C_+$
\begin{equation}\label{eq:16-4-1-2}
\left| e^{zT} \left( 1 + \frac{}{} \right) · \frac{1}{z} \right| = e^{\mathfrak{Re}(z) · T} · \frac{2 \, \mathfrak{Re}(z)}{}.
\end{equation}
In der Summe folgt nun aus \eqref{eq:16-4-1-1} und \eqref{eq:16-4-1-2} die
Abschätzung:
\begin{equation}\label{eq:16-4-1-3}
\left| \frac{1}{2 π i} \int_{C_+} \left( F(z) - F_T(z) \right) e^{zT} \left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{dz}{z} \right|
\frac{1}{} · \frac{2B}{} · \underbrace{R π}_{= \text{Länge von } C_+} = \frac{B}{R}.
\end{equation}
\paragraph*{Beweisschritt: Diskussion von $F-F_T$ auf $C_-$}
Betrachte den Halbkreis
\[
C_-' := \{ z ∈ \::\: |z| = R, \, \mathfrak{Re}(z) < 0 \}.
\]
Weil die Funktion $F_T$ auf ganz $$ holomorph ist, folgt aus der
Homotopie-Invarianz des Integrals die Gleichung
\begin{equation}\label{eq:16-4-2-4}
\int_{C_-} F_T(z) · e^{zT} · \left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{dz}{z}
= \int_{C_-'} F_T(z) · e^{zT} · \left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{dz}{z}.
\end{equation}
Wie oben sehen wir, dass für jedes $z ∈ C_-'$ die folgenden Abschätzungen
gelten,
\begin{equation}\label{eq:16-4-2-5}
\left| F_T(z) \right| = \left| \int_0^T f(t) \, e^{-zt} \, dt \right|
\le S · \frac{e^{-\mathfrak{Re}(z) · T}}{|\mathfrak{Re}(z)|}
\end{equation}
und
\begin{equation}\label{eq:16-4-2-6}
\left| e^{zT} \left( 1 + \frac{}{} \right) · \frac{1}{z} \right|
= e^{\mathfrak{Re}(z) · T} · \frac{|2 \, \mathfrak{Re}(z)|}{}.
\end{equation}
In der Summe folgt nun aus \eqref{eq:16-4-2-5} und \eqref{eq:16-4-2-6} die
Abschätzung:
\begin{equation}\label{eq:16-4-2-7}
\left| \frac{1}{2π i} \int_{C_-} F_T(z) \, e^{-zT}
\left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{dz}{z} \right| \le \frac{B}{R}.
\end{equation}
Betrachte nun das Integral
\[
\frac{1}{2π i} \int_{C_-} F(z) · e^{zT} · \left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{dz}{z}.
\]
Die Faktoren $F(z)$ und $\left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{1}{z}$ dabei
unabhängig von $T$. Der verbleibende Faktor $e^{zT}$ konvergiert für $T → ∞$
auf der Menge $\mathfrak{Re}(z) < 0$ lokal gleichmäßig gegen $0$. Also ist
\begin{equation}\label{eq:xxa}
\lim_{T → ∞} \frac{1}{2π i} \int_{C_-} F(z) · e^{zT} · \left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{dz}{z} = 0.
\end{equation}
\paragraph*{Beweisschritt: Zusammenfassung und Beweisende}
Insgesamt folgt aus den Abschätzungen \eqref{eq:16-4-1-3} und
\eqref{eq:16-4-2-7} für jedes $R > 0$ die Ungleichung
\begin{align*}
\left| F(0) - F_T(0) \right| & = \left| \frac{1}{2π i} \int_C \left( F(z) - F_T(z) \right) e^{zT} \left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{dz}{z} \right| && \text{\eqref{eq:16-4-0-2}}\\
&\left| \frac{1}{2π i} \int_{C_+} \left( F(z) - F_T(z) \right) e^{zT} \left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{dz}{z} \right| \\
& \quad + \left| \frac{1}{2π i} \int_{C_-} F(z) e^{zT} \left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{dz}{z} \right| \\
& \quad + \left| \frac{1}{2π i} \int_{C_-} F_T(z) e^{zT} \left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{dz}{z} \right| \\
&\frac{2B}{R} + \left| \frac{1}{2π i} \int_{C_-} F_T(z) e^{zT} \left( 1 + \frac{}{} \right) \frac{dz}{z} \right| && \text{\eqref{eq:16-4-1-3}, \eqref{eq:16-4-2-7}}
\end{align*}
und dann mit \eqref{eq:xxa}
\[
\lim_{T → ∞} \left| F(0) - F_T(0) \right| ≤ \frac{2B}{R}.
\]
Die Behauptung \eqref{eq:16-4-0-1} folgt dann nach Grenzübergang $R → ∞$.
Damit ist der Taubersatz von Newman bewiesen.
\end{proof}
\subsection{Anwendung des Taubersatzes auf den Primzahlsatz}
Wollen den Taubersatz auf die Funktion
\[
F(s) := \frac{Φ(s+1)}{s+1} - \frac{1}{s}
\]
anwenden, wobei
\[
Φ(s) := \sum_{p \text{ prim}} \frac{\ln p}{p^s}
\]
ist. Also müssen wir die Funktion $Φ$ diskutieren.
\begin{lemma}
Die Funktion $Φ(s) - \frac{1}{s-1}$ ist auf der Menge $\mathfrak{Re}(s)1$
holomorph.
\end{lemma}
\begin{proof}
Schreibe
\[
F(s) := -\frac{ζ'(s)}{ζ(s)} = \sum_{n=1}^\frac{Λ(n)}{n^s} = \sum_{r=1}^\sum_{p \text{ prim}} \frac{\ln(p)}{(p^r)^s}.
\]
Wir wissen bereits, dass die Funktion $F(s) - \frac{1}{s-1}$ holomorph auf die
Menge $\mathfrak{Re}(s)1$ fortsetzbar ist. Es genügt also zu zeigen, dass
die Funktion $F(s) - Φ(s)$ holomorph auf die Menge $\mathfrak{Re}(s)1$
fortsetzbar ist. Wir zeigen die stärkere Aussage, dass die Funktion $F(s) -
Φ(s)$ holomorph auf die Menge $\mathfrak{Re}(s)1/2$ fortsetzbar ist. Dazu
beachte:
\[
F(s) - Φ(s) = \sum_{r=2}^\sum_{p \text{ prim}} \frac{\ln(p)}{(p^r)^s}.
\]
Sei nun eine Zahl $s$ mit $σ := \mathfrak{Re}(s) > \frac{1}{2}$ gegeben.
Betrachte die Konstante $C := \frac{2}{2 - \sqrt{2}}$ und stelle fest, dass
für jede Primzahl $p$ die folgende Ungleichung gilt,
\[
\frac{1}{p^{2σ} - p^σ} \le \frac{C}{p^{2σ}}.
\]
Es ist aber
\begin{align*}
\left| F(s) - Φ(s) \right| &\sum_{r=2}^\sum_{p \text{ prim}} \frac{\ln p}{(p^r)^σ} \\
& = \sum_{p \text{ prim}} \ln(p) · \sum_{r=2}^\frac{1}{(p^r)^σ} \\
& = \sum_{p \text{ prim}} \ln(p) · \left( \frac{1}{1 - \frac{1}{p^σ}} - 1 - \frac{1}{p^σ} \right) \\
& = \sum_{p \text{ prim}} \ln(p) · \frac{1}{p^{2σ} - p^σ} \\
& \leq C · \sum_{p \text{ prim}} \frac{\ln(p)}{p^{2σ}} \\
& \leq C · \sum_{n=1}^\frac{\ln(n)}{n^{2σ}} = C · ζ'(2σ).
\end{align*}
Weil $ζ$ für $\mathfrak{Re}(s) > 1$ holomorph ist, folgt die Behauptung.
\end{proof}
Der Primzahlsatz benötigt noch weitere Lemmata.
\begin{lemma}
Betrachte die Funktion
\[
θ: ℝ⁺ → , \quad x ↦ \sum_{p \le x, \, p \text{ prim}} \ln(p).
\]
Dann ist die Funktion $x ↦ \frac{θ(x)}{x}$ auf der Menge $x ≥ 1$ beschränkt.
\end{lemma}
\begin{proof}
Jede Primzahl $p$ mit $n < p \le 2n$ teilt $\binom{2n}{n}$. Damit gilt:
\[
e^{θ(2n) - θ(n)} = \prod_{n < p \le 2n} p ≤ \binom{2n}{n}\sum_{k=0}^{2n} \binom{2n}{k} = 2^{2n}
\]
und
\begin{equation}\label{eq:16-4-4-1}
θ(2n) - θ(n) ≤ 2n·\ln(2).
\end{equation}
Fixiere $N ∈ ℕ⁺$ und wähle ein $m ∈ ℕ⁺$ mit $2^{m-1} < N \le 2^m$. Dann gilt:
\begin{align*}
θ(N) & ≤ θ(2^m) = θ(2^m) - θ(2⁰) \\
& = \sum_{k=1}^m \left( θ(2^k) - θ(2^{k-1}) \right) \\
& ≤ (\ln 2) \left( 2^m + 2^{m-1} + … + 2 \right) && \text{\eqref{eq:16-4-4-1}} \\
& = 2·(\ln 2)·(2^m - 1) \\
& ≤ 4 · (\ln 2) · 2^{m-1} \\
& < 4 · (\ln 2) · N.
\end{align*}
Insbesondere gilt $\frac{θ(N)}{N} < 4 \, \ln 2$, wie benötigt.
\end{proof}
Jetzt spielt der Taubersatz eine Rolle.
\begin{lemma}\label{lem:16-4-4}%
Das uneigentliche Integral
\[
\int_1^\frac{θ(x) - x}{} \, dx
\]
konvergiert.
\end{lemma}
\begin{proof}
Für alle Zahlen $s$ mit $\mathfrak{Re}(s) > 1$ gilt:
\begin{align*}
Φ(s) = \sum_{p \text{ prim}} \frac{\ln p}{p^s} & = \sum_{n=2}^\frac{θ(n) - θ(n-1)}{n^s} \\
& = \sum_{n=1}^∞ θ(n) · \left( \frac{1}{n^s} - \frac{1}{(n+1)^s} \right) \\
& = \sum_{n=1}^∞ θ(n) · \int_n^{n+1} \frac{s}{x^{s+1}} \, dx \\
& = s·\int_1^\frac{θ(x)}{x^{s+1}} \, dx.
\end{align*}
Wir wissen, dass die Funktion $h(u) := \frac{θ(u)}{u} - 1$ beschränkt und
lokal integrierbar ist. Dann ist aber
\begin{align*}
\int_0^∞ h\left(e^t\right) \, e^{-t} \, dt & = \int_1^∞ h(u) · \frac{du}{u^{s+1}} \\
& = \int_1^\frac{θ(x) - x}{x^{s+2}} \, dx \\
& = \frac{Φ(s+1)}{s+1} - \frac{1}{s}.
\end{align*}
Der letzte Ausdruck ist aber auf der Menge $\mathfrak{Re}(s)0$ holomorph.
Damit folgt aus Satz~\ref{satz:16-4-1} („Taubersatz von Newman“), dass das
Integral
\[
\int_0^∞ h\left(e^t\right) \, e^{-t} \, dt
\]
existiert und gleich $\int_1^\frac{θ(x) - x}{} \, dx$ ist.
\end{proof}
\begin{kor}\label{kor:16-4-5}%
Es ist $\lim_{x → ∞} \frac{θ(x)}{x} = 1$.
\end{kor}
\begin{proof}
Angenommen, es existiert eine Zahl $λ > 1$, sodass für alle ausreichend großen
$u$ die Ungleichung $θ(u) ≥ λ·u$ gilt. Dann ist aber
\[
\int_u^{λ·u} \frac{θ(x) - x}{}
\int_u^{λ·u} \frac{λ·u - x}{} \, dx
\overset{y = \frac{x}{u}}{=} \underbrace{\int_1^λ \frac{1-y}{} \, dy}_{\text{unabhängig von }u} > 0
\]
Lemma~\ref{lem:16-4-4} impliziert aber
\[
\lim_{u → ∞} \int_u^\frac{θ(x) - x}{} \, dx = 0
\]
und wir erhalten einen Widerspruch. Also kann eine solche Zahl $λ > 1$ nicht
existieren. Analog schließt man aus, dass eine Zahl $λ < 1$ mit den
entsprechenden Eigenschaften existiert. Damit folgt die Behauptung.
\end{proof}
\subsection{Beweis des Primzahlsatzes, Satz~\ref*{satz:16-1-3}}
Für jede Zahl $x$ gilt die Ungleichung
\[
θ(x) = \sum_{p \le x, \, p \text{ prim}} \ln(p)\sum_{p \le x, \, p \text{ prim}} \ln(x) = π (x) \, \ln(x).
\]
Nach Korollar~\ref{kor:16-4-5} ist damit
\[
\liminf_{x → ∞} \frac{π (x) \, \ln(x)}{x}\lim_{x → ∞} \frac{θ(x)}{x} \overset{\text{Kor.}}{=} 1.
\]
Auf der anderen Seite finden wir für jede Zahl $ε > 0$ eine Abschätzung
\begin{align*}
θ(x) ≥ \sum_{x^{1-ε} < p \le x} \ln(p) &\sum_{x^{1-ε} < p \le x} (1-ε) · \ln(x) && \text{weil } p > x^{1-ε}\\
& \geq (1-ε) · \ln(x) · \left( π (x) - π \left(x^{1-ε}\right) \right) \\
& \geq (1-ε) · \ln(x) · \left( π (x) - x^{1-ε} \right)
\end{align*}
und damit
\[
π (x) · \ln(x) \le \frac{θ(x)}{1-ε} + \ln(x) · x^{1-ε}.
\]
Das impliziert aber
\[
\limsup_{x → ∞} \frac{π (x) \, \ln(x)}{x} \le \frac{1}{1-ε}.
\]
Durch Grenzübergang $ε → 0$ folgt
\[
\limsup_{x → ∞} \frac{π (x) \, \ln(x)}{x} \le 1
\]
und damit der Primzahlsatz. \qed
% !TEX root = Funktionentheorie